16.05.2018: Basel III – verschärfte Regeln für den EU-Bankensektor ab 2020?

Schild mit der Aufschrift Basel III

Am 16. März 2018 startete die EU-Kommission eine Sondierungskonsultation zur Umsetzung des internationalen Basel-III-Rahmenwerkes in der Europäischen Union. Ziel der Konsultation ist es, Erkenntnisse über die Auswirkungen der Reformen auf den EU-Bankensektor und die Gesamtwirtschaft zusammenzutragen und mögliche Herausforderungen bei der Umsetzung aufzuzeigen. Das Basel-III-Rahmenwerk erfordert eine Änderung der bestehenden Bankenvorschriften in der EU, insbesondere der Eigenkapitalverordnung (Capital Requirements Regulation - CRR).

Kurzer Überblick zum Basel-III-Rahmenwerk

Als Reaktion auf die Finanzkrise hatte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht sein derzeitiges Rahmenwerk zur Regulierung, Beaufsichtigung und zum Risikomanagement im Bankensektor gravierend überarbeitet und den ersten Teil des Basel-III-Reformpakets im Jahre 2010 veröffentlicht. Dieser Teil umfasste im Wesentlichen strengere Eigenkapitalregelungen. Ferner wurden neue Kennziffern zur Begrenzung der Verschuldung sowie neue, international einheitliche Liquiditätsstandards eingeführt. Diese Maßnahmen wurden mit Geltung ab dem 1. Januar 2014 auf EU-Ebene in der Eigenmittelrichtlinie (Capital Requirements Directive - CRD) und in der Eigenkapitalverordnung umgesetzt.

Der zweite Teil des Reformpakets wurde im Dezember 2017 final verabschiedet: Pfeil Finalisierung des Basel-III-Rahmenwerkes. Hier widmete sich der Baseler Ausschuss verstärkt der Überarbeitung der Verfahren zur Ermittlung der risikogewichteten Aktiva (Risk Weighted Assets - RWA). Um das in der Finanzkrise gesunkene Vertrauen in die Berechnung der RWA wiederherzustellen, wurden die folgende Maßnahmen beschlossen:

  • Ein robusterer und risikosensitiverer Standardansatz für das Kredit- und operationelle Risiko,
  • eine beschränktere Verwendung interner Bewertungsmodelle,
  • die Vervollständigung der risikogewichteten Eigenkapitalquote durch eine finalisierte Verschuldungsquote und einen angepassten Output-Floor.

Ab dem 1. Januar 2022 soll das Reformpaket angewendet werden. Damit sind alle Baseler Mitgliedsländer in der Pflicht, die neuen Regelungen konsequent und zeitgerecht umzusetzen. Die EU-Kommission hat sich geäußert, dass sie die Regeln bereits ab 2020 in europäisches Recht überführen will.

Mit der erwähnten Sondierungskonsultation unternahm die EU den ersten Schritt zur Umsetzung des finalen Basel-III-Reformpakets auf EU-Ebene. Sie war allerdings nicht mit einem Legislativvorschlag verbunden und endete am 12. April 2018 - knapp einen Monat nach deren Veröffentlichung. Die Zeitspanne wurde relativ kurz bemessen, da zunächst Ansichten von den unterschiedlichen Interessensgruppen eingeholt werden sollten.

Die Gelegenheit zur Stellungnahme nutzten viele europäische Organisationen, darunter auch die Deutsche Kreditwirtschaft. Die Inhalte ihrer Stellungnahme wird im Folgenden kurz vorgestellt:
In der Einleitung stellt die Deutsche Kreditwirtschaft fest, dass sie aufgrund der kurzen Zeitspanne nur eine vorläufige Einschätzung erarbeiten konnte. Des Weiteren bestätigt sie die Auffassung, dass durch die Zunahme der Komplexität des Finanzmarktes auch das entsprechende Basel-III-Regelwerk enorm an Komplexität gewonnen hat. Mit Hinblick auf den Aspekt der Proportionalität stellt sie bereits hier fest, dass es kleine und mittelgroße Kreditinstitute künftig deutlich schwerer haben werden, die Vorgaben des Regelwerkes zu erfüllen, da sie im Grunde für große Kreditinstitute konzipiert worden sind. Gleiches gilt für stark spezialisierte Institute.

Zu den folgenden fünf Hauptaspekten konnten die Interessensgruppen ihre Einschätzungen geben:

1. Überarbeiteter Standardansatz für Kreditrisiken (Standardised Approach for Credit Risk - SA-CR):

Hier stellt die Deutsche Kreditwirtschaft fest, dass das ursprünglich gesetzte Ziel, die aktuellen Kapitalanforderungen stabil zu halten, größtenteils nicht erreicht wurde. Sie hebt unter anderem hervor, dass die gewünschten Due Diligence Anforderungen bei Kundenbewertungen vor allem durch kleine und mittelgroße Banken aufgrund von Kapazitätsengpässen schwer zu erfüllen und daher im Grunde untragbar sind. Als Alternative schlägt sie die Einführung einer zentral gesteuerten Einheit vor, die Daten und Hilfsleistungen bereitstellt.

Des Weiteren stellt sich die Deutsche Kreditwirtschaft klar gegen eine Anwendung des Granularitätskriteriums zur Reduktion von Risikokonzentrationen. Ein Kreditmaximum von 0,2% des Retail Portfolios pro Kunde ist besonders für kleine Banken ein immenser Nachteil, da die Einzelhöchstkreditgrenze stark herabgesetzt wird.

 

2. Überarbeiteter IRB-Ansatz für Kreditrisiken:

Allgemein unterstützt die Deutsche Kreditwirtschaft die Initiative, eine Harmonisierung des IRB-Ansatzes voranzutreiben. Dabei sollte allerdings die Belastung der Kreditinstitute hinsichtlich der Proportionalität, der Umsetzungszeiten und der verfügbaren technischen Standards beachtet werden. Ergänzend wird vorgeschlagen den überarbeiteten Ansatz auch mit weiteren regelnden und buchhalterischen Anforderungen abzugleichen.

 

3. Überarbeiteter Standardansatz für CVA-Risiken:

Die Deutsche Kreditwirtschaft ist der Meinung, dass eine Verbesserung des Standards notwendig ist, da die finale Textversion proaktives Risikomanagement eher benachteiligt (z.B. Proxy Hedging). Umsetzungsschwierigkeiten sieht sie bei der Verarbeitung der hohen Anzahl an sensiblen Informationen, da dazu viele Ressourcen bereitgestellt werden müssten.

 

4. Überarbeiteter Standardansatz für operationelle Risiken:

Die Deutsche Kreditwirtschaft ist der Auffassung, dass der neue Standardised Measurement Approach (SMA) verglichen mit dem bisher verwendeten Advanced Measurement Approach (AMA) ein deutlicher Rückschritt sei. Ein flexibler Ansatz sollte einem starren Mechanismus vorgezogen werden.

 

5. Überarbeiteter Output Floor:

Laut Aussage der Deutschen Kreditwirtschaft wird das Berechnen von Kapitalanforderungen und die Risikobewertung durch den neuen Output Floor von 72,5% deutlich umfangreicher und kostenintensiver. Interne Berechnungsmethoden werden zudem benachteiligt, da sie nunmehr ergänzend zum SA-CR durchgeführt werden. Die Deutsche Kreditwirtschaft räumt ein, dass die Kalkulation des Floors auf RWA-Basis generell gesehen besser ist als auf Basis von Risikotypen oder Expositionsmodellen. Sie benachteiligt dabei allerdings Investitionen mit geringem Risiko, da auch hier die Kapitalanforderungen erhoben werden müssen. Sie ergänzt, dass der Standard nicht risikosensibel genug ist und oftmals zu überhöhten RWAs führe.

 

Dies zeigt einen kleinen Ausschnitt der Stellungnahme der Deutschen Kreditwirtschaft und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die gesamte Stellungnahme können Sie hier nachlesen: Pfeil Stellungnahme der Deutschen Kreditwirtschaft.

Mithilfe der eingereichten Stellungnahmen wird die EU-Kommission eine gründliche, detaillierte Folgenabschätzung durchführen. Vor 2020 ist mit einer Überführung der neuen Basel-III-Regelungen in europäisches Recht nicht zu rechnen.

impavidi steht unseren Kunden bei allen Fragen zum aktuellen Konsultationsprozess beratend zur Seite.


 

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